Über

Im Zentrum meiner Kunst steht das Lebendige, genauer: die Figur des Menschen. Dabei geht es zum einen um das Phänomen der Figürlichkeit, vor allem aber um den Menschen selbst. Ich versuche in meinen Bildern dem nachzuspüren, was uns als Menschen ausmacht.

Eine Herangehensweise ist dabei das Porträt. Das Gesicht ist für mich ein Sinnbild des Menschseins: Hier tritt unsere Identität zutage, aber auch die meisten Sinnesorgane kommen im Gesicht zusammen. Ein Hort der Wahrnehmung, sozusagen. Bei der Darstellung des menschlichen Körpers hingegen geht es mir mehr darum, wie dieser in die Umwelt hineinragt. Quasi um seine Verbindung mit der Welt, wie er in ihr liegt.

Im weiteren Sinne geht es um Lebendigkeit, die in den Bildern prozessiert wird, nicht nur, aber vor allem: die des Menschen; (sofern sich dessen Lebendigkeit überhaupt als rein menschliches Phänomen von übrigem Leben oder einer scheinbar toten Umwelt abtrennen lässt -) ich sehe den Menschen als schillernden Auswuchs unserer lebendigen Welt.

So bilden Figuration, Mensch und Lebendigkeit den Rahmen meiner Kunst. Sie reicht aber in ihren Ausläufern bis ins Abstrakte, wo der Mensch und die Figur sich verlieren – und gleichzeitig entstehen. Auch dies versuche ich in meiner Kunst zu zeigen. Es findet dadurch eine Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Figur und Abstraktion statt, von der Warte der Figuration aus. 

Darüber hinaus beschäftige ich mich mit der Wahrnehmung und insbesondere mit dem Sehen. Mich fasziniert die Uneinigkeit unserer beider Augen, durch die Raumwahrnehmung erst möglich wird. Der dynamische Prozess des Sehens, des Erkennens durch den Menschen – dieser soll in meiner Kunst beobachtbar werden – der Betrachter soll sich beim Sehen selbst zusehen. 

Die Bilder sind für mich Reflexionsraum, in denen ich die Wahrnehmung unserer Welt in Frage stelle und verarbeite. Doch sind sie mehr als ein bloßes Spiegelkabinett, haften gemalten und gezeichneten Bildern doch die Anwesenheit der Dinge an, die sie abbilden. Sie sind für mich Behältnisse, in denen sich Bewusstsein konzentriert. Das fertige Bild ist etwas, das durch mich hindurch gesickert ist. Meine „geistige Schale“ trägt nur noch zur fertigen Form bei, wenn sich etwas als Werk verfestigt. 

Dieser Text zeugt davon, dass ich meine Kunst nicht in einer eindeutigen Weise beschreiben kann, sondern, dass viele verschiedene Fragestellungen parallel laufen, sich überschneiden, verschiedene Ambitionen und Herangehensweisen ihren Tribut fordern. Charakteristisch ist nicht die stete Variation einer bestimmten Art Bild, sondern die Art des Denkens und der Weltwahrnehmung, die sich in unterschiedlichen Bild-Zyklen niederschlagen. Ich begreife mich als Künstler bislang als Knotenpunkt, in dem verschiedene Sichten zusammenlaufen, als einendes Element, als das ich etwas zur Ordnung in der Welt beitrage. Diese Art von künstlerischer Ordnung ist essenziell, um Dinge wahrnehmbar zu machen, indem sie in spürbare Zusammenhänge übersetzt werden.